Der ein oder andere wird inzwischen mitgekriegt haben, dass ich unter Anderem das Projekt „Wir Probieren“ betreibe.
Für dieses Projekt ist natürlich etwas mehr nötig, als sich nur Getränke in den Kopf zu stecken, ganz abgesehen von den technischen Anforderungen und Kosten.
Man beschäftigt sich damit immer neue Getränke zu finden, sowohl aus dem Ausland, wie im Inland. Man beobachtet die Marktsituation nach aktuellen Trends oder sieht welche Nischen bereits ausgelutscht und welcher Markt übersättigt ist usw.
Man kommt nicht umher sich mehr mit der Materie zu befassen und lernt somit zum Beispiel die Szene der Energydosensammler kennen. So unsinnig dieses Hobby vielen erscheinen mag, so kann man an solchen Sammlungen doch recht gut und einfach die Marktentwicklung einer Firma oder einer Produktmarke ablesen.
Gerade der Markt der Energydrinks ist zur Zeit maßlos übersättigt, insbesondere an Drinks, die versuchen geschmacklich Red Bull zu kopieren um somit am Erfolg des Energyriesen teilzuhaben. Doch letztendlich führt dies zu keinem wirklichen Ergebnis, da noch mindestens 100 andere auf die gleiche Schnapsidee gekommen sind.
Jeder, der sich ein wenig mit Marktforschung auskennt oder gar nur den Markt beobachtet weiß, dass eine derartige Masse an nahezu gleichen Produkten sich auf Dauer nicht halten kann.
Der große Hype um die Energydrinks, der etwa anfang der Jahrtausendwende begann, scheint seinen Zenit bereits überschritten zu haben. Denn durch die Übersättigung des Marktes verteilt sich das Kapital des Konsumenten so auf, dass zwar jeder etwas abkriegt, doch jeder zu wenig und somit alle dem Untergang geweiht sind.
Die einzige Chance zu überleben besteht darin eine Vielzahl an möglichst verschiedenen Geschmacksrichtungen oder gar unterschiedlichen Getränken (nicht nur Energydrinks) auf den Markt zu bringen, statt durch Indifferenz zu glänzen.
Doch selbst bei den „Gewinnern“ des Energyhypes wie Rockstar Energy und Monster Energy bröckelt es bereits.
Insbesondere Rockstar Energy, welchen ich persönlich zu einem meiner Lieblingsdrinks zähle, musste bereits 2 Sorten wieder vom Markt nehmen. Zu meinem Leid handelte es sich dabei um meine Lieblingssorten Energy Cola und Recovery. Stattdessen werden diese ersetzt durch etwas, dessen Existenzberechtigung sich mir bis heute verschließt. Die sog. Açai-Beere (gesprochen Assa-i).
Doch wie so oft gilt nicht „Was schmeckt dem Kunden“ sondern lediglich „Guck mal was die anderen auf dem Markt machen, das machen wir auch.“ Obgleich die Vergangenheit bereits bewiesen haben sollte, dass Getränke mit Açai Geschmack sich nicht auf dem Markt halten (zB Überkinger Ü+Açai) versuchen es alle wieder erneut.
Ich bin zum Einen enttäuscht von der Einfallslosigkeit vieler Konzerne und der blinden Kaufwut vieler Konsumenten. Zum Anderen kann ich meine geschmacklichen Präferenzen natürlich nicht als allgemeingültig darstellen.
Allerdings bleibt im Bezug auf Vielfalt der Geschmacksrichtungen im Bereich der Energydrinks die Einfallslosigkeit ein großer Dorn in meinem Auge, der vielen Konzernen letztendlich das Genick brechen wird, sofern diese nicht anfangen durch individuellen Geschmack zu glänzen.
Gerade von Rockstar Energy, die mit dem Recovery einen recht einzigartigen Drink geschaffen haben hätte ich mir mehr erhofft.
Man darf gespannt sein was die Zukunft bringt und ob die Erfolgswelle der Energydrinks bestehen bleibt oder der Markt in den nächsten Jahren zusammenbricht.
Red Bull sollte als einziger davon recht unbehelligt bleiben, da in den Köpfen der Ottonormalverbraucher bleibt Red Bull der Inbegriff des Energydrinks, ähnlich wie Coca-Cola für die Cola. Dies stellt ebenfalls ein Problem für viele kleinere Konzerne dar, da das Bewusstsein für die mögliche Vielfalt von Energydrinks gar nicht geschaffen wurde.
Für mich als Sammler und Produkttester bleibt es dennoch spanndend zu sehen was passiert und ob meine Vorhersagen wahr werden, oder ob sich etwas ganz anderes auftut.
Prost!
